DSIP
Neun Aminosäuren mit einem irreführenden Namen: DSIP wurde 1977 aus schlafenden Kaninchen isoliert und wirkt in Studien auf weit mehr als den Schlaf.
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Überblick
Die Geschichte beginnt 1977 mit Kaninchen im Schlaf: Aus ihrem Hirnvenenblut isolierten Forscher ein Nonapeptid, neun Aminosäuren in der Reihenfolge Trp-Ala-Gly-Gly-Asp-Ala-Ser-Gly-Glu. Nach Infusion in die Hirnventrikel verstärkte es die Delta- und Spindelaktivität im EEG. Daher der Name Delta Sleep Inducing Peptide. DSIP gehört damit zu den ältesten Molekülen der Schlafpeptid-Forschung.
Der Name führt heute eher in die Irre. In der aktuellen Literatur gilt DSIP als pleiotropes Neuropeptid, und die Schlafinduktion ist nur eine von mehreren Wirkachsen:
- Stressresilienz und Schmerzmodulation in präklinischen Modellen
- Muster der Hormonsekretion und zirkadiane Rhythmik
- Effekte auf Neurotransmitter, zusammengefasst in einer Übersichtsarbeit von 1984, die Befunde aus mehreren Tierarten und beim Menschen bündelt
Die Humandaten sind alt, aber vorhanden: Fünf doppelblinde Studien mit intravenösem DSIP berichteten 1983 gute Verträglichkeit, eine Schlafinduktion mit rund einer Stunde Verzögerung sowie Anzeichen chronobiologischer Effekte. Eine doppelblinde Studie von 1992 an 16 Personen mit chronischer Insomnie fand eine höhere Schlafeffizienz und kürzere Einschlaflatenz, stufte die Effekte aber als schwach ein und hielt einen größeren Nutzen der Kurzzeitgabe für unwahrscheinlich.
Mechanistisch bleibt DSIP ein Rätsel. Weder ein Gen noch ein Rezeptor sind bekannt; diskutiert wird eine indirekte Modulation von GABA-, Glutamat- und Endorphin-Systemen, außerdem eine Bindung an Albumin, die die Pharmakokinetik prägt. Eine kritische Übersicht von 2006 hält die Rolle als Schlaffaktor für schwach belegt und vermutet hinter den Effekten ein DSIP-ähnliches Peptid.
Hinweise zu Risiken
DSIP wird in Studien als gut verträglich beschrieben und ist eines der am längsten untersuchten Schlafpeptide. Was du im Blick behalten solltest:
- Einstichstelle: Leichte Rötung oder ein Druckgefühl sind die häufigste lokale Beobachtung.
- Nachwirkung: Müdigkeit, Benommenheit oder eine verlängerte Schläfrigkeit am nächsten Tag werden gelegentlich beschrieben.
- Offener Mechanismus: Ohne bekannten Rezeptor lässt sich nicht sauber erklären, wie die Effekte entstehen.
- Breite Wirkung: Neben dem Schlaf verändert DSIP in Studien auch Stress-, Schmerz- und Hormonwege; der Effekt bleibt also nicht auf eine Achse beschränkt.
- Langzeitdaten: Humanstudien über lange Zeiträume gibt es nicht.
Ärztlichen Rat ersetzt diese Übersicht nicht.
Quellen
- Characterization of a delta-electroencephalogram (-sleep)-inducing peptide - Erstbeschreibung mit Isolierung aus Kaninchen, Sequenzaufklärung und EEG-Befund nach Infusion in die Hirnventrikel.
- Delta-sleep-inducing peptide (DSIP): a review - frühe Übersicht über Schlafinduktion, zirkadiane Muster, Hormonspiegel und Neurotransmitter in mehreren Spezies.
- Effects of DSIP in man - fünf doppelblinde Humanstudien mit intravenösem DSIP, gute Verträglichkeit und Schlafinduktion mit etwa einer Stunde Verzögerung.
- Effects of delta sleep-inducing peptide on sleep of chronic insomniac patients. A double-blind study - doppelblinde Studie an 16 Personen mit chronischer Insomnie, schwache Effekte auf Schlafeffizienz und Einschlaflatenz.
- Delta sleep-inducing peptide (DSIP): a still unresolved riddle - kritische Übersicht: kein Gen, kein Rezeptor, Rolle als Schlaffaktor schwach belegt.
Alle Produkte sind ausschließlich für die In-vitro-Forschung und den Laborgebrauch bestimmt. Nicht für Menschen oder Tiere, nicht zur Diagnose oder Behandlung. Die Texte fassen veröffentlichte Forschung zusammen und sind keine medizinische Empfehlung.