IGF-1 LR3
IGF-1-Analog mit 83 Aminosäuren, das den Bindungsproteinen entkommt: lange Halbwertszeit und freier Zugang zum IGF-1-Rezeptor.
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Überblick
Natives IGF-1 ist im Blut zu rund 99 Prozent an Bindungsproteine (IGFBPs) gekoppelt und damit vom Rezeptor abgeschirmt. IGF-1 LR3 wurde gebaut, um genau das zu umgehen: An Position 3 ersetzt Arginin die Glutaminsäure, und am N-Terminus hängen 13 zusätzliche Aminosäuren, insgesamt sind es 83. Die Affinität zu den IGFBPs sinkt dadurch um das 100- bis 1000-fache.
Was Studien zeigen:
- Die Long-IGF-I-Analoga, darunter Long-Arg3-IGF-I, wirkten in Myoblasten stärker auf Protein- und DNA-Synthese als natives IGF-I; erklärt wird das mit der veränderten Bindung an die IGFBPs (1992).
- Bei Ratten, die durch Dexamethason in einen katabolen Zustand versetzt waren, war LR3 etwa 2,5-fach stärker anabol als natives IGF-I, obwohl es den Rezeptor schwächer bindet; der Unterschied liegt in der geringen IGFBP-Bindung (1992).
- Virale Expression von IGF-I im Skelettmuskel steigerte in der klassischen Arbeit von Barton-Davis (1998) die Muskelmasse.
- Die durch IGF-1 ausgelöste Hypertrophie von Myotuben läuft über PI3K, Akt und mTOR (Rommel 2001).
Die Konsequenz der Modifikationen: Statt weniger Minuten bleibt das Analog in Studienmodellen 20 bis 30 Stunden verfügbar. Am IGF-1-Rezeptor löst es primär den PI3K/Akt/mTOR-Weg aus, den zentralen Vermittler anaboler Effekte, sekundär den MAPK/ERK-Weg für Proliferation und Differenzierung. In Muskelmodellen wurden Satellitenzell-Aktivierung, gesteigerte Proteinsynthese und Faserhypertrophie beschrieben. Eingesetzt wird LR3 in der Forschung zu Hypertrophie, Sarkopenie, Regeneration und Tissue Engineering, überall dort, wo die isolierte Rezeptoraktivierung ohne IGFBP-Einfluss interessiert.
Hinweise zu Risiken
Die direkte, von Bindungsproteinen unabhängige Rezeptoraktivierung und die lange Wirkdauer verlangen mehr Aufmerksamkeit als bei reinen GH-Sekretagoga.
- Unterzuckerung ist der wichtigste Punkt: IGF-1 wirkt insulinähnlich, in der Literatur werden Schwitzen, Zittern und Benommenheit als Zeichen eines niedrigen Blutzuckers beschrieben.
- Weil die aktivierten Wege (PI3K/Akt/mTOR) proliferativ sind, wird theoretisch diskutiert, ob bestehendes abnormes Gewebe mitwachsen könnte. Belege dafür gibt es nicht, der Punkt bleibt offen.
- Einstichstelle: Rötung, Druckgefühl, kurze Reizung.
- Vorübergehende Wassereinlagerung, vereinzelt und dosisabhängig.
- Humandaten über lange Zeiträume fehlen; die Grundlage sind Tier- und Zellmodelle.
Ärztlichen Rat ersetzt diese Übersicht nicht.
Quellen
- Insulin-like growth factor-I (IGF-I) and especially IGF-I variants are anabolic in dexamethasone-treated rats - LR3 gegen natives IGF-I im katabolen Rattenmodell.
- Viral mediated expression of IGF-I in skeletal muscle - klassische Arbeit zu IGF-I und Muskelmasse.
- Mediation of IGF-1-induced skeletal myotube hypertrophy by PI3K/Akt/mTOR - der Signalweg hinter der Myotuben-Hypertrophie.
Alle Produkte sind ausschließlich für die In-vitro-Forschung und den Laborgebrauch bestimmt. Nicht für Menschen oder Tiere, nicht zur Diagnose oder Behandlung. Die Texte fassen veröffentlichte Forschung zusammen und sind keine medizinische Empfehlung.