Tesamorelin
GHRH-Analog mit Schutzgruppe am N-Terminus, in den USA seit 2010 zugelassen und in Phase-3-Studien mit 806 Teilnehmern geprüft.
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Überblick
Tesamorelin (Entwicklungscode TH9507) ist das am besten dokumentierte GHRH-Analog: Ein Trans-3-Hexenoyl-Rest an der ersten Aminosäure schützt die sonst native GHRH-Sequenz vor dem Enzym DPP-IV, das unmodifiziertes GHRH 1-44 rasch zerlegt.
Was die klinischen Daten zeigen:
- In der Phase-3-Studie mit 412 HIV-Patienten unter antiretroviraler Therapie sank das viszerale Fettgewebe nach 26 Wochen täglicher Gabe um 15,2 %, unter Placebo nahm es um 5,0 % zu; die Triglyceride verbesserten sich.
- In der Verlängerung auf 52 Wochen hielt der Rückgang (-18 %) an, nach dem Absetzen baute sich das viszerale Fett wieder auf.
- Das Unterhautfett am Bauch blieb weitgehend unberührt; in einer kleineren randomisierten Studie (50 Teilnehmer, sechs Monate) ging auch das Leberfett moderat zurück.
- IGF-1 stieg deutlich: im Mittel um 81 % in der Phase 3, und bei 13 gesunden Männern nach zwei Wochen um 181 µg/l, während Nüchternblutzucker und insulinabhängige Glukoseaufnahme gleich blieben.
Der Wirkweg führt über GHRH-Rezeptoren der vorderen Hypophyse; die GH-Ausschüttung bleibt pulsatil, und die Bremse über IGF-1 greift weiter, anders als bei direkt zugeführtem Wachstumshormon. Zur Pharmakokinetik nennt die US-Fachinformation nach zwei Wochen täglicher subkutaner Gabe eine mittlere Eliminationshalbwertszeit von 26 Minuten bei Gesunden und 38 Minuten bei HIV-Patienten; neuere Formulierungen kommen nach einer Einzelgabe auf 8 bis 11 Minuten. Ursprünglich für altersbedingt verminderte GH-Ausschüttung entwickelt, kam die Zulassung 2010 über die HIV-Lipodystrophie: Die erste veröffentlichte HIV-Studie stammt von 2005, die Phase 3 folgte 2007.
Hinweise zu Risiken
Die Verträglichkeit war in den Phase-3-Studien insgesamt gut; die Daten umfassen 806 HIV-Patienten und Laufzeiten bis 52 Wochen.
- Häufigste Nebenwirkungen laut Fachinformation: Muskel- und Gelenkschmerzen, Schmerzen in Armen oder Beinen, Wassereinlagerung mit Schwellungen, dazu Rötung und Juckreiz an der Einstichstelle. Kribbeln oder Taubheit in den Händen gehören in dieselbe Gruppe; meist vorübergehend oder nach Absetzen rückläufig.
- IGF-1 außerhalb der Norm: Nach 26 Wochen lagen 47 % der Behandelten mehr als zwei Standardabweichungen über dem Altersmittel, 36 % mehr als drei. Ob dauerhaft hohes IGF-1 Tumoren fördert, ist nicht geklärt.
- Glukosetoleranz: Ein HbA1c von mindestens 6,5 % trat nach 26 Wochen bei 5 % auf, unter Placebo bei 1 %. Ein leichter Anstieg des Nüchternblutzuckers nach zwei Wochen war nach sechs Monaten nicht mehr signifikant; bei gesunden Männern blieb die Insulinempfindlichkeit im Clamp-Test gleich.
- Überempfindlichkeit bei 4 %: Juckreiz, Hautrötung, Flush, Nesselsucht oder Ausschlag.
- Jenseits von 52 Wochen fehlen belastbare Daten.
Ärztlichen Rat ersetzt diese Übersicht nicht.
Quellen
- Metabolic effects of a growth hormone-releasing factor in patients with HIV - Phase-3-Studie mit 412 Patienten über 26 Wochen.
- Effect of tesamorelin on visceral fat and liver fat in HIV-infected patients with abdominal fat accumulation: a randomized clinical trial - randomisierte Studie mit 50 Teilnehmern, auch zum Leberfett.
- Effects of a growth hormone-releasing hormone analog on endogenous GH pulsatility and insulin sensitivity in healthy men - 13 gesunde Männer, zwei Wochen, GH-Pulsatilität und Insulinempfindlichkeit.
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