Sermorelin
Die ersten 29 Aminosäuren des menschlichen GHRH als eigenständiges Peptid: kurze Halbwertszeit, lange Studiengeschichte.
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Überblick
Sermorelin ist das am längsten untersuchte GHRH-Analog: ein Peptid, das nur den aktiven Abschnitt 1-29 des hypothalamischen Releasing-Hormons enthält und damit genau den Teil, der in der vorderen Hypophyse die GH-Freisetzung anstößt. Alles, was im natürlichen 44er-Molekül dahinter folgt, fehlt.
Befunde aus der Forschung:
- Bei 110 Kindern mit GH-Mangel kletterte die Wachstumsgeschwindigkeit unter einer täglichen abendlichen Gabe binnen zwölf Monaten von 4,1 cm auf 7,2 cm im Jahr (offene Multicenter-Studie, 1996).
- Bei gesunden älteren Männern brachten zwei subkutane Gaben am Tag über zwei Wochen GH und IGF-1 dosisabhängig zurück auf das Niveau junger Männer (1992).
- Sechs Wochen mit einer einzelnen nächtlichen Injektion steigerten bei elf älteren Männern die nächtliche GH-Ausschüttung, während IGF-1, Körperzusammensetzung und Stoffwechselwerte unverändert blieben (1997).
- Die Übersicht in BioDrugs (1999) beschreibt Sermorelin als das kürzeste synthetische Peptid, das die volle Aktivität von GHRH behält, und als diagnostischen Test der Hypophysenfunktion.
Der Mechanismus ist der des natürlichen Hormons: Bindung an GHRH-Rezeptoren der somatotropen Zellen, Antwort in Pulsen. Weil Sermorelin keine der Schutzmodifikationen trägt, die CJC-1295 oder Tesamorelin gegen den Abbau durch DPP-IV stabilisieren, liegt seine Halbwertszeit bei nur etwa 10 bis 20 Minuten. Das macht es zum schnellsten Vertreter der Familie und zu dem Werkzeug, das der kurzen, stoßweisen GHRH-Freisetzung des Körpers am nächsten kommt. Wer Versuchsbedingungen möglichst nah an der Physiologie halten will, landet deshalb oft bei diesem Peptid statt bei den länger wirksamen Abkömmlingen.
Hinweise zu Risiken
Die Sicherheitsdaten stammen überwiegend aus der pädiatrischen GH-Mangel-Forschung und fallen durchgehend mild aus. Was in Studien und Erfahrungsberichten auftaucht:
- Lokale Reaktionen an der Einstichstelle: Rötung, Druck, kurze Reizung.
- Begleiterscheinungen erhöhter GH-Spiegel wie Wassereinlagerung oder Kribbeln und Taubheit in den Händen. Wegen der sehr kurzen Wirkdauer bleiben sie meist schwach und bilden sich zurück.
- Ein Anstieg des Nüchternblutzuckers und eine vorübergehend geringere Insulinempfindlichkeit sind möglich.
- Kurz nach der Gabe werden vereinzelt Hitzegefühl im Gesicht, Kopfschmerz oder kurze Müdigkeit beschrieben.
- Zu einer Anwendung über lange Zeiträume gibt es trotz der umfangreichen Daten bei Kindern keine belastbaren Studien. In der 1997er Studie blieben Körperzusammensetzung und Stoffwechsel über sechs Wochen unverändert, länger wurde nicht beobachtet.
Ärztlichen Rat ersetzt diese Übersicht nicht.
Quellen
- Sermorelin: a review of its use in the diagnosis and treatment of children with idiopathic growth hormone deficiency - Übersicht zu Wirkung, Diagnostik und Wachstumsdaten bei Kindern.
- Once daily subcutaneous growth hormone-releasing hormone therapy accelerates growth in growth hormone-deficient children during the first year of therapy - Multicenter-Studie mit 110 Kindern über zwölf Monate.
- Effects of single nightly injections of growth hormone-releasing hormone (GHRH 1-29) in healthy elderly men - sechs Wochen nächtliche Einzelgaben bei elf älteren Männern.
Alle Produkte sind ausschließlich für die In-vitro-Forschung und den Laborgebrauch bestimmt. Nicht für Menschen oder Tiere, nicht zur Diagnose oder Behandlung. Die Texte fassen veröffentlichte Forschung zusammen und sind keine medizinische Empfehlung.